
Saibling angeln: Ausrüstung, Köder und Strategien für den scheuen Fisch
Lebensraum und Verhalten des Saiblings
Saiblinge sind Kaltwasserfische aus der Familie der Lachsartigen und benötigen Wassertemperaturen unter 15 Grad Celsius. Im Sommer ziehen sie sich in die Tiefe zurück, wo kühlere Schichten existieren, während sie im Frühjahr und Herbst auch in flacheren Bereichen anzutreffen sind. Die Mecklenburgische Seenplatte bietet in einigen tiefen Seen wie der Müritz geeignete Lebensräume, wobei Saiblinge hier meist in Tiefen zwischen 10 und 30 Metern leben.
Diese Fische sind extrem scheu und reagieren empfindlich auf Störungen. Bootsgeräusche, schwere Tritte am Ufer oder grobe Wurfmontagen schrecken sie ab. Saiblinge haben ein ausgezeichnetes Sehvermögen und erkennen unnatürliche Bewegungen sofort. Das macht sie zu einer echten Herausforderung für Angler. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insektenlarven, kleinen Krebstieren, Zooplankton und gelegentlich kleinen Fischen.
In der Mecklenburgischen Seenplatte leben vorwiegend Seesaiblinge und vereinzelt Bachsaiblinge in kühleren Zuflüssen. Die Fische erreichen Größen zwischen 30 und 50 Zentimetern, kapitale Exemplare können auch 60 Zentimeter und mehr messen. Die Laichzeit liegt im Herbst und Winter, wobei Saiblinge auf kiesigen Böden in Tiefen zwischen 5 und 30 Metern ablaichen.
Informieren Sie sich vor dem Angeln über die spezifischen Regelungen für Saiblinge in den Gewässern der Müritzfischer. Mindestmaße und Schonzeiten können variieren und sollten unbedingt eingehalten werden, um die empfindlichen Bestände zu schützen.

Die richtige Rute: Sensibilität ist gefragt
Für das Saiblingangeln benötigen Sie eine leichte, sensible Rute mit feiner Spitzenaktion. Je nach Angelmethode kommen unterschiedliche Ruten zum Einsatz. Beim Spinnfischen vom Boot oder Ufer eignet sich eine Ultralight- bis Light-Spinnrute mit 2,10 bis 2,70 Meter Länge und einem Wurfgewicht von 3 bis 15 Gramm. Diese Ruten sind sensibel genug, um leichte Köder zu werfen und vorsichtige Bisse zu erkennen.
Die Aktion sollte schnell bis sehr schnell sein, wobei sich hauptsächlich die Spitze biegt. Das ermöglicht präzise Köderführung und gute Bisserkennung. Saiblinge beißen oft nur vorsichtig zu – mit einer zu harten Rute würden Sie viele Bisse übersehen. Hochwertige Kohlefaserruten sind hier die beste Wahl, da sie leicht sind und hervorragende Rückmeldung geben.
Beim Schleppangeln (Trolling) vom Boot aus verwenden Sie mittelschwere Ruten mit 2,40 bis 3,00 Meter Länge und Wurfgewichten zwischen 15 und 40 Gramm. Diese müssen etwas mehr Rückgrat haben, da die Köder beim Schleppen kontinuierlich unter Spannung stehen. Dennoch sollte die Spitze weich genug sein, um auch beim Schleppen Bisse zu registrieren.
Für das Hegenenangeln – eine Methode, die auch beim Saiblingfang funktioniert – eignen sich ähnliche Ruten wie beim Maränenangeln: 2,70 bis 3,30 Meter lang, weiches Spitzenteil, sensible Rückmeldung.
Die passende Rolle und Schnur
Eine Stationärrolle der Größe 1000 bis 2500 ist ideal für das Saiblingangeln. Sie sollte leicht sein, einen butterweichen Schnureinzug haben und über ein feines Bremssystem verfügen. Saiblinge kämpfen nicht extrem hart, haben aber ein weiches Maul – eine ruckelnde Bremse führt schnell zu Ausschlitzern.
Die Übersetzung kann bei 5,0:1 bis 5,5:1 liegen. Zu schnelle Übersetzungen sind beim feinfühligen Saiblingangeln nicht nötig. Wichtiger ist ein gleichmäßiger, sauberer Lauf der Rolle. Achten Sie auf Qualität – billige Rollen mit unsauberem Getriebe können den Fangerfolg massiv beeinträchtigen.
Bei der Schnur haben Sie die Wahl. Geflochtene Schnur mit 0,06 bis 0,10 Millimeter Durchmesser bietet direkten Kontakt und sofortige Bisserkennung. Die fehlende Dehnung überträgt jede Bewegung. Allerdings ist Geflochtene im Wasser sichtbarer – in den klaren Gewässern der Mecklenburgischen Seenplatte kann das vorsichtige Saiblinge abschrecken.
Monofile Schnur mit 0,16 bis 0,20 Millimeter Durchmesser ist unauffälliger und verzeiht durch ihre Dehnung kleinere Fehler beim Drill. Viele erfahrene Saiblingangler schwören auf hochwertige monofile Schnur, da sie natürlicher präsentiert. Die Dehnung fungiert als Puffer bei den ruckartigen Bewegungen, die Saiblinge beim Drill machen.
Ein Fluorocarbon-Vorfach ist beim Saiblingangeln nahezu Pflicht. Mit Längen zwischen 1,50 und 2,50 Metern und Durchmessern von 0,16 bis 0,22 Millimeter bietet es Unsichtbarkeit im Wasser und zusätzliche Abriebfestigkeit. Saiblinge haben ein ausgezeichnetes Sehvermögen – je unauffälliger das Vorfach, desto besser.
Köder für scheue Saiblinge
Die Köderwahl ist entscheidend. Saiblinge bevorzugen kleine, natürlich wirkende Köder. Beim Spinnfischen funktionieren winzige Gummifische zwischen 3 und 7 Zentimeter Länge hervorragend. Naturfarben wie Weiß, Silber, zartes Grün oder durchsichtige Varianten sind in klarem Wasser am erfolgreichsten. Die Führung muss langsam und vorsichtig sein – keine aggressiven Sprünge wie beim Barschangeln.
Kleine Wobbler der Größe 3 bis 5 Zentimeter mit natürlicher Farbgebung imitieren Beutefische perfekt. Floating- oder Suspending-Wobbler, die in der Wassersäule schweben, sind besonders fängig. Führen Sie diese mit kurzen Stopps und sanften Zupfern – Saiblinge attackieren oft in der Pause. Forellenwobbler aus dem Forellenteich-Angeln passen perfekt auch für Saiblinge.
Spinner der Größe 0 bis 2 mit silbernem oder goldenem Blatt sind Klassiker. Auch hier gilt: langsam führen, gleichmäßig einkurbeln. Die Vibrationen des rotierenden Blatts locken Saiblinge aus der Distanz an. Inline-Spinner laufen besonders sauber und erzeugen wenig Wasserwiderstand.
Blinker zwischen 3 und 8 Gramm in dezenten Farben funktionieren ebenfalls. Das flatternde Spiel imitiert einen verletzten Fisch – ein unwiderstehlicher Reiz für Saiblinge. Führen Sie Blinker mit Stopps, in denen der Köder taumelt.
Beim Schleppangeln kommen größere Wobbler (5 bis 10 Zentimeter) und Löffelblinker zum Einsatz. Die Geschwindigkeit sollte langsam sein – etwa 2 bis 3 km/h. Zu schnelles Schleppen schreckt Saiblinge ab. Verwenden Sie Downrigger oder schwere Bleie, um die Köder in die richtige Tiefe zu bringen.
Naturköder sind ebenfalls sehr fängig. Tauwürmer, Maden oder kleine Köderfische (aus demselben Gewässer!) unter der Pose oder am Grund präsentiert, überzeugen vorsichtige Saiblinge. Ein einzelner Tauwurm an einem kleinen Haken (Größe 6 bis 10) ist oft das Mittel der Wahl. Die Präsentation muss natürlich sein – kein schweres Blei, das auf dem Grund aufschlägt.

Angeltechniken für verschiedene Situationen
Spinnfischen vom Ufer
Das Spinnfischen vom Ufer erfordert Vorsicht und Tarnung. Saiblinge sind äußerst scheu – laute Schritte, hektische Bewegungen oder grelle Kleidung verscheuchen sie. Nähern Sie sich dem Wasser leise, bleiben Sie wenn möglich im Schatten oder hinter Büschen verborgen. Werfen Sie nicht direkt auf sichtbare Fische, sondern vor sie oder seitlich – die Fluchtreaktion kommt sonst sofort.
Die Wurftechnik sollte sanft sein. Keine harten, peitschenden Würfe, sondern weiche Bewegungen, die den Köder präzise platzieren, ohne viel Lärm zu machen. Führen Sie den Köder extrem langsam – oft reicht kaum mehr als das Einholen der Schnurreserve. Saiblinge nehmen sich Zeit, den Köder zu beobachten, bevor sie attackieren.
Bisse sind oft vorsichtig. Ein kurzes Zupfen, ein Ziehen, manchmal nur ein Gefühl, als würde der Köder schwerer werden. Setzen Sie einen sanften Anhieb – zu kräftig und Sie reißen den Haken aus dem weichen Maul. Bei Spinnködern sitzen die Haken oft schon durch die Bewegung.
Spinnfischen vom Boot
Vom Boot aus haben Sie Zugang zu tieferen Bereichen, wo Saiblinge sich im Sommer aufhalten. Verwenden Sie ein Echolot, um Strukturen und Fischschwärme zu finden. Saiblinge halten sich oft an Tiefenkanten, über Unterwasserbergen oder in der Nähe von Kaltwasserquellen auf.
Driften Sie langsam mit dem Wind oder nutzen Sie einen Elektromotor für leise Fortbewegung. Benzinmotoren sollten ausgeschaltet sein – der Lärm verscheucht Saiblinge. Lassen Sie Ihre Köder in verschiedenen Tiefen ablaufen, von knapp unter der Oberfläche bis zum Grund. Oft stehen Saiblinge in mittleren Wasserschichten.
Eine effektive Methode ist das vertikale Jiggen über Strukturen. Lassen Sie einen kleinen Gummifisch oder einen Pilker mit Beifänger ab, bis Sie Grundkontakt haben, und zupfen Sie ihn dann langsam nach oben. Saiblinge reagieren auf diese vertikale Präsentation, besonders wenn der Köder langsam absinkt.
Schleppangeln (Trolling)
Das Schleppangeln ist eine der erfolgreichsten Methoden für Saiblinge in großen Seen. Sie ziehen Köder in verschiedenen Tiefen hinter dem langsam fahrenden Boot her. Mit Downriggern bringen Sie die Köder präzise in die gewünschte Tiefe – zwischen 10 und 30 Metern, je nach Jahreszeit und Wassertemperatur.
Die Geschwindigkeit sollte niedrig sein – 2 bis 3 km/h sind ideal. Zu schnelles Schleppen erzeugt unnatürliche Bewegungen. Verwenden Sie 2 bis 3 Ruten (maximal 3 sind erlaubt beim Schleppangeln mit der Zusatzgenehmigung), um verschiedene Tiefen und Köder zu testen. Variieren Sie die Distanz zum Boot – manche Saiblinge folgen dem Boot, ohne zu beißen, und attackieren erst den weiter entfernten Köder.
Wenn eine Rute einen Biss anzeigt, bremsen Sie das Boot sofort ab oder stoppen Sie ganz. Saiblinge haben zarte Mäuler – bei voller Fahrt können sie ausschlitzen. Kurbeln Sie ruhig und gleichmäßig ein, ohne Hektik.
Posenangeln mit Naturködern
Das klassische Posenangeln ist entspannend und fängig. Eine leichte Laufpose (3 bis 8 Gramm Tragkraft) mit einem Tauwurm oder Maden an einem kleinen Haken wird in die Tiefe ausgelegt, in der Saiblinge vermutet werden. Die Montage ist simpel: Hauptschnur, Pose, kleines Blei (nur so viel wie nötig), Vorfach, Haken.
Werfen Sie die Montage sanft aus und warten Sie. Saiblinge nehmen den Köder oft vorsichtig auf, schwimmen damit ein Stück, bevor sie ihn schlucken. Die Pose zeigt dies durch Zittern oder langsames Abtauchen an. Warten Sie, bis die Pose deutlich unter Wasser gezogen wird, dann setzen Sie einen sanften Anhieb.
Diese Methode funktioniert besonders gut im Frühjahr und Herbst, wenn Saiblinge in flacheren Bereichen jagen. Im Sommer müssen Sie die Pose so einstellen, dass der Köder in 10 bis 20 Meter Tiefe schwebt – das erfordert lange Montagen und viel Geduld.
Beste Zeiten und Bedingungen
Die beste Jahreszeit für Saiblingangeln ist das Frühjahr (März bis Mai) und der Herbst (September bis November). In diesen Monaten sind die Wassertemperaturen moderat und Saiblinge auch in mittleren Tiefen aktiv. Im Sommer (Juni bis August) ziehen sie sich in kühle Tiefenbereiche zurück und sind schwerer zu erreichen.
Die Tageszeit spielt eine Rolle. Frühe Morgenstunden zwischen 5 und 9 Uhr sowie späte Nachmittage ab 17 Uhr bis zur Dämmerung sind am erfolgreichsten. Tagsüber bei starker Sonne sind Saiblinge meist inaktiv. An bewölkten, trüben Tagen können sie aber auch mittags beißen.
Wettereinflüsse sind relevant. Leicht bewölkte Tage sind ideal – Saiblinge mögen kein grelles Licht. Nach Regen, wenn frisches Wasser eingespült wurde, steigt die Aktivität oft. Auch leichter Wind ist positiv, da er die Wasseroberfläche bricht und die scheuen Fische weniger vorsichtig macht.
Im Winter lassen sich Saiblinge kaum fangen – sie ziehen sich in große Tiefen zurück und sind weitgehend inaktiv. Eisangeln auf Saibling ist theoretisch möglich, aber sehr schwierig und nur für Spezialisten.
Drill und Landung
Der Drill eines Saiblings ist spektakulär. Diese Fische kämpfen mit Ausdauer und machen kraftvolle Fluchten. Halten Sie die Rute hoch, nutzen Sie ihre Federwirkung als Puffer. Die Bremse sollte so eingestellt sein, dass sie bei etwa 60 Prozent der Schnurtragkraft nachgibt – Saiblinge haben weiche Mäuler, zu viel Druck führt zu Ausschlitzern.
Saiblinge machen oft Sprünge – sie schnellen aus dem Wasser und schütteln heftig mit dem Kopf. In diesem Moment müssen Sie die Rutenspitze senken, um Spannung zu reduzieren – sonst reißt der Haken aus. Nach dem Sprung sofort wieder Spannung aufbauen.
Pumpen Sie den Fisch heran: Rute heben, dabei Druck aufbauen, Rute senken und dabei kurbeln. Lassen Sie dem Saibling Zeit – hetzen Sie ihn nicht. Ein ausgepumpter Fisch lässt sich leichter landen und hat bessere Chancen beim Release.
Zur Landung verwenden Sie einen großen Kescher mit weichem, gummiertem Netz. Saiblinge haben empfindliche Haut und Schuppen. Führen Sie den Fisch mit der Rute zum Kescher, tauchen Sie diesen ins Wasser und ziehen Sie den Fisch vorsichtig hinein.
Waidgerechter Umgang
Saiblinge sind edle Fische, die respektvollen Umgang verdienen. Messen Sie jeden Fang sorgfältig – informieren Sie sich vorher über das geltende Mindestmaß. Untermaßige Fische setzen Sie sofort zurück. Behandeln Sie den Fisch mit nassen Händen oder besser noch mit einem nassen Handtuch. Die schützende Schleimhaut darf nicht beschädigt werden.
Wenn Sie den Saibling entnehmen möchten, töten Sie ihn schnell und waidgerecht mit einem Schlag auf den Kopf. Bewahren Sie ihn kühl auf – Saiblinge sind sehr empfindlich und verderben schnell. Verarbeiten Sie den Fisch zeitnah, idealerweise am selben Tag.
Beim Catch & Release halten Sie den Saibling im Wasser und entfernen Sie den Haken mit einer Arterienklemme. Bewegen Sie ihn vorsichtig hin und her, damit Wasser durch die Kiemen strömt. Erst wenn er kräftig mit der Schwanzflosse schlägt, lassen Sie ihn schwimmen. Fotografieren Sie ihn direkt im Wasser oder halten Sie ihn nur wenige Sekunden in der Luft.
Frischer Saibling aus der Region

Saiblingangeln ist eine anspruchsvolle Kunst, die Geduld, feines Gerät und viel Fingerspitzengefühl erfordert. Nicht jeder hat Zugang zu den tiefen, kalten Gewässern, in denen Saiblinge leben, oder die Zeit für die aufwendigen Angeltouren. Wenn Sie dennoch das zarte, lachsrosa Fleisch dieses edlen Fisches genießen möchten, können Sie Saibling online kaufen. Die klaren Gewässer der Mecklenburgischen Seenplatte mit ihren optimalen Temperaturen bringen Saiblinge mit außergewöhnlichem Aroma hervor. Ob frisch oder geräuchert – professionell gefangen und verarbeitet von den Müritzfischern kommt diese Delikatesse direkt zu Ihnen nach Hause.

