Rotbarsch: Tiefsee-Bewohner im Portrait
Was für ein Fisch ist der Rotbarsch?
Der Rotbarsch gehört zur Familie der Stachelköpfe (Sebastidae) und umfasst mehrere Arten, die alle unter dem Handelsnamen "Rotbarsch" verkauft werden. Die wichtigsten Arten sind der Echte Rotbarsch (Sebastes norvegicus), der Tiefenrotbarsch (Sebastes mentella) und der Goldbarsch (Sebastes marinus). Alle drei Arten ähneln sich stark in Aussehen und Lebensweise, unterscheiden sich aber in ihren bevorzugten Tiefenbereichen.

Das auffälligste Merkmal des Rotbarsches ist seine intensive rote bis orangerote Färbung. Diese Farbe ist in der Tiefsee, wo kein rotes Licht mehr eindringt, tatsächlich eine perfekte Tarnung, denn ohne rotes Licht erscheint der rote Fisch in der Tiefe schwarz oder grau. Der Körper ist kräftig gebaut und seitlich leicht zusammengedrückt. Der Kopf ist groß mit vorstehenden Augen, die an das Leben in lichtarmen Tiefen angepasst sind. Charakteristisch sind die kräftigen Stacheln in der Rückenflosse und an den Kiemendeckeln, die dem Rotbarsch seinen deutschen Namen eingebracht haben.
Ein ausgewachsener Rotbarsch erreicht eine Körperlänge zwischen 30 und 50 Zentimetern, wobei manche Exemplare auch über 70 Zentimeter groß werden können. Das durchschnittliche Gewicht liegt bei 1 bis 3 Kilogramm, kapitale Exemplare können bis zu 10 Kilogramm erreichen. Was den Rotbarsch besonders macht, ist sein extrem langsames Wachstum. Ein 50 Zentimeter langer Fisch kann bereits 30 bis 40 Jahre alt sein. Die Lebenserwartung ist außergewöhnlich hoch und kann bei manchen Arten 100 Jahre oder mehr betragen. Diese Langlebigkeit ist typisch für Tiefseefische, die in einer Umgebung mit konstanten, aber kargen Bedingungen leben.
Der Rotbarsch besitzt eine Schwimmblase, die ihm hilft, in verschiedenen Tiefen zu schweben. Diese Schwimmblase ist jedoch ein Problem beim Fang: Wenn ein Rotbarsch aus großer Tiefe schnell an die Oberfläche gezogen wird, dehnt sich die Schwimmblase durch den fallenden Druck stark aus und kann den Fisch von innen schädigen. Deshalb überleben viele zurückgesetzte Rotbarsche nicht, was die Fischerei besonders herausfordernd macht.

Verbreitung und Lebensraum des Rotbarsches
Der Rotbarsch ist ein Bewohner der kalten Gewässer des Nordatlantiks und der angrenzenden arktischen Meere. Seine Verbreitung erstreckt sich von der norwegischen Küste über Island, Grönland und die Färöer-Inseln bis zur kanadischen Ostküste und hinunter bis in den Golf von Maine. Auch in der Barentssee und vor Spitzbergen existieren bedeutende Bestände. Die verschiedenen Rotbarscharten haben dabei unterschiedliche geografische Verbreitungen, wobei sich ihre Lebensräume teilweise überlappen.
Was den Rotbarsch besonders macht, ist seine Vorliebe für große Tiefen. Während junge Rotbarsche noch in Tiefen zwischen 100 und 300 Metern anzutreffen sind, ziehen erwachsene Tiere in deutlich tiefere Bereiche. Der Echte Rotbarsch lebt typischerweise zwischen 200 und 500 Metern Tiefe, der Tiefenrotbarsch bevorzugt Bereiche zwischen 300 und 800 Metern, und manche Populationen des Goldbarsches findet man sogar bis zu 1.000 Meter tief. In diesen Tiefen herrschen extreme Bedingungen: Die Temperaturen liegen konstant zwischen 2 und 6 Grad Celsius, Sonnenlicht dringt nicht mehr vor, und der Wasserdruck ist enorm.
Der Rotbarsch bevorzugt Gebiete mit felsigem oder steinigem Untergrund, wo er sich in Spalten und zwischen Felsen verstecken kann. Auch Bereiche mit starken Strömungen sind beliebt, da diese nährstoffreiches Wasser und damit Nahrung herantransportieren. Anders als viele andere Fische bildet der Rotbarsch keine dichten Schwärme, sondern lebt eher in lockeren Ansammlungen oder einzelgängerisch. Die Fische halten sich meist bodennah auf, können aber auch ins freie Wasser aufsteigen, um zu jagen.
Die verschiedenen Rotbarscharten zeigen unterschiedliche Verhaltensweisen bei der Tiefenwahl. Während einige Populationen relativ standorttreu sind und ihr Leben in einem begrenzten Gebiet verbringen, unternehmen andere vertikale Wanderungen. Besonders nachts steigen manche Rotbarsche in höhere Wasserschichten auf, um dort nach Nahrung zu suchen, und kehren tagsüber in die Tiefe zurück. Diese Wanderungen können mehrere hundert Meter umfassen und sind energetisch aufwendig, aber offenbar lohnenswert aufgrund des besseren Nahrungsangebots in den oberen Schichten.
Nahrung und Jagdverhalten des Rotbarsches
Der Rotbarsch ist ein Räuber, dessen Ernährung sich mit dem Alter verändert. Junge Rotbarsche fressen hauptsächlich Plankton, insbesondere Krill, Flohkrebse und andere kleine Krebstiere. Mit zunehmendem Alter und Größe stellen sie ihre Ernährung auf größere Beute um. Ausgewachsene Rotbarsche ernähren sich hauptsächlich von Fischen wie Lodde, Sandaalen, Heringen, jungen Kabeljau und anderen kleinen Fischarten. Auch Tintenfische, Garnelen und größere Krebstiere gehören zur Beute. Gelegentlich fressen Rotbarsche auch Quallen und andere Weichtiere.
Die Jagdstrategie des Rotbarsches ist eher passiv. Anders als schnelle Räuber wie Makrelen oder Makrelen jagt er nicht aktiv in offenen Gewässern, sondern lauert seiner Beute auf. Der Rotbarsch positioniert sich zwischen Felsen oder nahe am Boden und wartet, bis ein Beutetier in Reichweite kommt. Mit einem schnellen Vorstoß und durch plötzliches Öffnen des großen Mauls erzeugt er einen Sog, der die Beute ins Maul zieht. Diese Ansaugtechnik ist typisch für viele bodenbewohnende Raubfische und sehr effektiv.
Die großen, vorstehenden Augen des Rotbarsches sind perfekt an das Leben in der lichtarmen Tiefsee angepasst. Sie ermöglichen es ihm, auch bei minimalem Licht noch Beutetiere zu erkennen. Zusätzlich besitzt der Rotbarsch ein gut entwickeltes Seitenlinienorgan, mit dem er Druckwellen und Bewegungen im Wasser wahrnehmen kann. Dies hilft ihm, auch in völliger Dunkelheit Beute zu lokalisieren.
Die Fressaktivität des Rotbarsches ist verglichen mit Fischen aus wärmeren oder flacheren Gewässern relativ gering. In der kalten Tiefsee ist der Stoffwechsel verlangsamt, und der Energiebedarf ist niedriger. Der Rotbarsch kann längere Perioden ohne Nahrung überstehen und wächst entsprechend langsam. Diese Anpassung ermöglicht ihm das Überleben in einer Umgebung, wo Nahrung nicht immer reichlich verfügbar ist. Wenn jedoch gute Nahrungsbedingungen herrschen, etwa wenn große Schwärme von Lodde oder Krill in sein Gebiet ziehen, kann der Rotbarsch intensiv fressen und Fettreserven aufbauen.
Fortpflanzung und Lebendgeburt
Die Fortpflanzung des Rotbarsches ist außergewöhnlich und unterscheidet ihn von den meisten anderen Fischen. Rotbarsche sind lebendgebärend, das heißt, die Weibchen bringen lebende Jungfische zur Welt statt Eier zu legen. Diese Strategie ist in der Tiefsee von Vorteil, da die Überlebenschancen der Larven höher sind, wenn sie bereits entwickelt ins Wasser entlassen werden.
Die Geschlechtsreife erreichen Rotbarsche sehr spät. Je nach Art und Population werden die Fische erst mit 8 bis 15 Jahren geschlechtsreif, manche Populationen sogar erst mit über 20 Jahren. Dies ist eine direkte Folge des langsamen Wachstums in der kalten Tiefsee. Die Laichzeit liegt typischerweise zwischen März und Mai, wobei die genaue Zeit je nach geografischer Lage variiert.
Die Paarung selbst findet in der Tiefe statt. Die Männchen befruchten die Eier im Körper des Weibchens durch innere Befruchtung. Ein großes Weibchen kann zwischen 20.000 und 350.000 Larven produzieren, wobei die Anzahl stark von Größe und Alter abhängt. Die befruchteten Eier entwickeln sich über mehrere Monate im Körper des Weibchens. Diese lange Tragzeit, die bis zu zwei Monate dauern kann, ist energetisch sehr aufwendig und zeigt, wie viel das Weibchen in die nächste Generation investiert.
Die Geburt der Larven erfolgt in flacheren Wasserschichten, typischerweise zwischen 50 und 200 Metern Tiefe. Die Weibchen steigen dafür aus ihren Wohngebieten auf, was für Tiefseefische eine beträchtliche Wanderung darstellt. Die neugeborenen Larven sind etwa 5 bis 7 Millimeter lang und bereits voll entwickelt. Sie treiben zunächst als Teil des Planktons mit den Meeresströmungen und ernähren sich von kleinsten Planktonorganismen.
Die jungen Rotbarsche verbringen ihre ersten Lebensmonate in den oberen Wasserschichten, wo das Nahrungsangebot reichhaltiger ist. Mit zunehmendem Alter und Größe wandern sie langsam in tiefere Bereiche ab. Dieser Abstieg in die Tiefe kann mehrere Jahre dauern. Die Jungfische wachsen zunächst relativ schnell, verlangsamen ihr Wachstum aber deutlich, sobald sie die tieferen, kälteren Bereiche erreichen.
Die Fortpflanzung findet nicht jedes Jahr statt. Viele Rotbarschweibchen laichen nur alle zwei bis drei Jahre, da die Produktion und Entwicklung der Larven so viel Energie kostet. Diese niedrige Reproduktionsrate in Kombination mit später Geschlechtsreife und langsamem Wachstum macht Rotbarschpopulationen besonders anfällig für Überfischung. Wenn zu viele erwachsene Tiere gefangen werden, dauert es Jahrzehnte, bis sich die Bestände erholen können.
Wie wird Rotbarsch gefangen?
Die Fischerei auf Rotbarsch ist technisch anspruchsvoll und erfolgt hauptsächlich mit Grundschleppnetzen. Diese großen Netze werden über den Meeresboden gezogen und fangen die Fische in ihren typischen Lebensräumen. Die Fangschiffe müssen oft weit auf das offene Meer hinausfahren, da die besten Fanggebiete fernab der Küsten liegen. Island, Norwegen, Russland und die Färöer-Inseln sind die Hauptakteure in der kommerziellen Rotbarschfischerei.
Die Hauptfangzeit liegt im Spätwinter und Frühjahr, wenn die Rotbarsche zur Fortpflanzung in etwas flacheren Bereichen stehen und dichter zusammen sind. In dieser Zeit sind die Fänge ergiebiger, aber gleichzeitig ist dies auch die kritischste Phase für die Bestände, da die fortpflanzungsfähigen Tiere besonders gefährdet sind. Moderne Fangschiffe nutzen Sonar und Echolot, um Rotbarschansammlungen zu lokalisieren, bevor sie ihre Netze auswerfen.
Ein großes Problem der Rotbarschfischerei ist die Beifangproblematik. Da Rotbarsche in gemischten Lebensräumen vorkommen, werden oft auch andere Arten wie Kabeljau, Schellfisch oder Tiefseegarnelen mitgefangen. Zudem ist die Überlebensrate zurückgesetzter Rotbarsche sehr gering, da die Schwimmblase beim schnellen Aufstieg aus der Tiefe platzen oder sich zu stark ausdehnen kann. Dies macht selektives Fischen besonders schwierig.
Die Rotbarschbestände wurden in der Vergangenheit stark überfischt. Besonders in den 1960er bis 1980er Jahren führte intensive Befischung zu drastischen Bestandseinbrüchen. Heute unterliegt die Rotbarschfischerei strengen Quoten und Regulierungen. Viele Fanggebiete sind zeitweise oder dauerhaft gesperrt, um den Beständen Zeit zur Erholung zu geben. Die extrem langsame Wachstumsrate und späte Geschlechtsreife machen den Rotbarsch zu einer der am schwersten nachhaltig zu bewirtschaftenden Fischarten.
Beim Kauf von Rotbarsch sollten Sie auf Nachhaltigkeitssiegel achten. MSC-zertifizierter Rotbarsch stammt aus Beständen, die wissenschaftlich überwacht werden und wo die Fangmengen so reguliert sind, dass sich die Populationen erholen können. Aufgrund der Überfischungsproblematik empfehlen Umweltorganisationen oft, Rotbarsch nur gelegentlich zu konsumieren und alternative Fischarten zu bevorzugen.

Rotbarsch in der Küche
Der Rotbarsch ist kulinarisch sehr geschätzt, denn sein Fleisch ist fest, weiß und hat einen milden, angenehmen Geschmack. Anders als bei vielen anderen Fischen ist das Fleisch auch nach dem Garen noch fest und fällt nicht auseinander, was ihn besonders vielseitig in der Zubereitung macht.
Frische Rotbarschfilets eignen sich hervorragend zum Braten in der Pfanne, im Ofen oder auf dem Grill. Das Fleisch bleibt saftig und entwickelt ein feines Aroma. Auch gedünstet auf Gemüsebett oder pochiert ist Rotbarsch ein Genuss. Geräucherter Rotbarsch ist eine besondere Delikatesse mit intensivem Aroma und fester Konsistenz, die sich perfekt auf Schwarzbrot oder im Salat macht.
Gesundheitlich ist Rotbarsch wertvoll: Er enthält hochwertiges Eiweiß, ist fettarm und liefert wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Der niedrige Fettgehalt macht ihn zu einer leichten, bekömmlichen Wahl für gesundheitsbewusste Genießer.
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