Scholle: Plattfisch der Nord- und Ostsee

Scholle: Plattfisch der Nord- und Ostsee

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie ein Fisch flach werden kann? Die Scholle ist ein faszinierendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit der Natur. Diese Plattfische verbringen ihr ganzes Leben auf dem Meeresboden, perfekt getarnt zwischen Sand und Schlamm. Was als normaler, aufrecht schwimmender Fisch beginnt, verwandelt sich innerhalb weniger Wochen in einen asymmetrischen Bodenbewohner, bei dem beide Augen auf einer Körperseite liegen. Die Scholle ist nicht nur biologisch bemerkenswert, sondern auch kulinarisch wertvoll – ihr zartes, weißes Fleisch macht sie zu einem der beliebtesten Speisefische Nordeuropas. In diesem Artikel erfahren Sie alles über die Scholle: von ihrer einzigartigen Entwicklung über ihr Leben am Meeresboden bis zu ihrer Bedeutung für die Küstenfischerei.

Was für ein Fisch ist die Scholle?

Die Scholle (Pleuronectes platessa) gehört zur Familie der Schollen (Pleuronectidae) und ist einer der bekanntesten Plattfische Europas. Ihr wissenschaftlicher Name verrät bereits ihre charakteristische Form: "platessa" bedeutet flach. Die Scholle ist perfekt an ein Leben auf dem Meeresboden angepasst, wo sie die meiste Zeit halb im Sand vergraben liegt und auf Beute lauert.

Das auffälligste Merkmal der Scholle ist ihre asymmetrische Körperform. Anders als normale Fische, die seitlich abgeflacht sind und aufrecht schwimmen, liegt die Scholle flach auf dem Boden. Beide Augen befinden sich auf der rechten Körperseite, die nach oben zeigt und als Augenseite bezeichnet wird. Diese Seite ist braun bis graubraun gefärbt und mit charakteristischen orangeroten oder roten Punkten übersät, die wie Sommersprossen aussehen. Die Unterseite, die Blindseite genannt wird, ist weiß und liegt auf dem Meeresboden.

Scholle mit charakteristischen orangeroten Punkten schwimmt über sandigen Meeresgrund zwischen Seesternen und Algen

Die Haut der Scholle ist glatt mit kleinen, fest sitzenden Schuppen. Hinter den Augen verläuft eine Reihe knöcherner Höcker, die sich rau anfühlen und ein weiteres Erkennungsmerkmal darstellen. Der Körper ist oval bis rautenförmig, und die Rücken- sowie Afterflosse verlaufen fast über die gesamte Körperlänge. Die Seitenlinie, ein Organ zur Wahrnehmung von Druckwellen, verläuft in einem sanften Bogen über die Augenseite.

Eine ausgewachsene Scholle erreicht eine Körperlänge zwischen 25 und 50 Zentimetern, wobei Weibchen deutlich größer werden als Männchen. Kapitale Exemplare können über 70 Zentimeter lang werden und mehr als 7 Kilogramm wiegen. Das durchschnittliche Gewicht liegt bei 300 bis 800 Gramm. Die Lebenserwartung beträgt etwa 25 bis 30 Jahre, wobei das Alter an den Jahresringen der Otolithen, kleinen Gehörknöchelchen, abgelesen werden kann.

Die Scholle besitzt die bemerkenswerte Fähigkeit, ihre Färbung an den Untergrund anzupassen. Spezielle Pigmentzellen in der Haut ermöglichen es ihr, die Farbe und sogar das Muster des Meeresbodens nachzuahmen. Diese Tarnung ist so perfekt, dass eine still liegende Scholle praktisch unsichtbar ist. Diese Anpassung schützt sie sowohl vor Räubern als auch hilft ihr beim Lauern auf Beute.

Verbreitung und Lebensraum der Scholle

Die Scholle ist ein typischer Bewohner der gemäßigten bis kühlen Gewässer des Nordostatlantiks. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Biskaya im Süden über die Nordsee, die britischen Gewässer, die norwegische Küste bis zum Weißen Meer im Norden. Besonders häufig ist sie in der Nordsee und der westlichen Ostsee anzutreffen. Auch im Ärmelkanal, im Skagerrak und Kattegat existieren bedeutende Bestände.

Die Scholle bevorzugt flache bis mittlere Tiefen zwischen 10 und 80 Metern, kommt aber gelegentlich auch in bis zu 200 Metern Tiefe vor. Ihr idealer Lebensraum sind sandige oder schlammige Böden, wo sie sich leicht eingraben und tarnen kann. Auch Bereiche mit gemischtem Untergrund aus Sand und Kies werden besiedelt. Wichtig sind moderate Wassertemperaturen zwischen 2 und 15 Grad Celsius sowie ausreichend Sauerstoff und ein reiches Nahrungsangebot.

Als Bodenfisch verbringt die Scholle die meiste Zeit direkt auf oder knapp über dem Meeresboden. Tagsüber liegt sie oft halb im Sand vergraben, wobei nur die Augen und die Körperkontur sichtbar bleiben. Diese Position bietet optimalen Schutz und gleichzeitig die Möglichkeit, vorbeikommende Beutetiere zu erkennen. Nachts wird die Scholle aktiver und schwimmt häufiger frei über dem Boden, um nach Nahrung zu suchen.

Schollen zeigen ausgeprägte jahreszeitliche Wanderungen. Im Winter ziehen sie in tiefere, etwas wärmere Bereiche, wo sie weniger aktiv sind und kaum fressen. Mit dem Frühling wandern sie in flachere, küstennahe Gewässer, wo das Nahrungsangebot reichhaltig ist und die Wassertemperaturen steigen. Besonders junge Schollen halten sich im Sommer oft in sehr flachen Küstenbereichen und Buchten auf, wo sie geschützt heranwachsen können. Im Herbst beginnt die Rückwanderung in tiefere Bereiche.

Diese Wanderungen können durchaus beträchtliche Distanzen umfassen. Markierungsstudien haben gezeigt, dass einzelne Schollen mehrere hundert Kilometer zurücklegen können. Die Navigation erfolgt vermutlich über Meeresströmungen, Temperaturgradienten und das Magnetfeld der Erde. Manche Populationen zeigen auch eine ausgeprägte Standorttreue und kehren Jahr für Jahr in die gleichen Laichgebiete zurück.

Die erstaunliche Entwicklung vom Ei zum Plattfisch

Die Entwicklung der Scholle ist eine der faszinierendsten Verwandlungen im Tierreich. Was als normaler, symmetrischer Fisch beginnt, wird innerhalb weniger Wochen zu einem asymmetrischen Plattfisch.

Die Laichzeit der Scholle liegt zwischen Januar und März in tieferen Bereichen der Nordsee, typischerweise in Tiefen zwischen 20 und 50 Metern. Ein großes Weibchen produziert zwischen 50.000 und 500.000 Eier, abhängig von Größe und Alter. Die Eier sind pelagisch, das heißt, sie schweben frei im Wasser. Sie haben einen Durchmesser von etwa 1,6 bis 2,0 Millimetern und treiben mit den Meeresströmungen.

Die Entwicklung im Ei dauert bei Temperaturen um 6 Grad Celsius etwa 10 bis 14 Tage. Die geschlüpften Larven sind zunächst nur 6 bis 7 Millimeter lang und sehen wie normale Fischlarven aus – sie schwimmen aufrecht, haben Augen auf beiden Körperseiten und treiben als Teil des Planktons mit den Strömungen. In dieser Phase ernähren sie sich von winzigen Planktonorganismen.

Nach etwa drei bis vier Wochen, wenn die Larven eine Länge von etwa 10 bis 15 Millimetern erreicht haben, beginnt die Metamorphose. Das linke Auge wandert über den Kopf zur rechten Körperseite. Gleichzeitig verändert sich die gesamte Körperstruktur: Der Fisch legt sich auf die linke Seite, die Pigmentierung entwickelt sich asymmetrisch, und die inneren Organe verschieben sich. Diese Verwandlung dauert etwa zwei Wochen und ist für die Larve eine kritische Phase.

Nach Abschluss der Metamorphose sinken die jungen Schollen auf den Meeresboden und beginnen ihr Leben als Plattfische. Sie sind dann etwa 15 bis 20 Millimeter lang und suchen flache Küstenbereiche auf, wo sie zwischen Sand und Seegras Schutz finden. Hier wachsen sie heran und ernähren sich zunächst von kleinen Würmern und Krebstierchen.

Das Wachstum der Scholle ist in den ersten Jahren relativ schnell. Nach einem Jahr sind die Jungfische etwa 8 bis 12 Zentimeter lang, nach zwei Jahren 15 bis 20 Zentimeter. Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich das Wachstum. Die Geschlechtsreife tritt bei Männchen mit etwa 2 bis 3 Jahren bei einer Länge von 20 bis 25 Zentimetern ein, bei Weibchen mit 3 bis 5 Jahren bei 25 bis 30 Zentimetern.

Nahaufnahme einer getarnten Scholle im Sand mit beiden Augen auf der rechten Körperseite deutlich sichtbar

Nahrung und Jagdverhalten der Scholle

Die Scholle ist ein Bodenfresser mit einem vielfältigen Speiseplan, der hauptsächlich aus wirbellosen Tieren besteht. Ihr Maul ist relativ klein und nach unten gerichtet, perfekt angepasst an die Aufnahme von Bodentieren.

Junge Schollen ernähren sich hauptsächlich von kleinen Borstenwürmern, Flohkrebsen und winzigen Muscheln. Mit zunehmendem Alter erweitert sich das Nahrungsspektrum. Ausgewachsene Schollen fressen vor allem Muscheln wie Herzmuscheln, Miesmuscheln und Sandklaffmuscheln. Auch Borstenwürmer bleiben ein wichtiger Bestandteil der Nahrung, ebenso wie Krebstiere, besonders Garnelen und Einsiedlerkrebse. Gelegentlich werden auch kleine Fische, Schnecken und Seeigel gefressen.

Die Jagdstrategie der Scholle basiert auf Geduld und Tarnung. Sie liegt bewegungslos auf dem Boden, oft halb im Sand vergraben, und wartet auf Beute. Ihre Augen stehen leicht erhöht und erlauben einen guten Rundumblick. Sobald ein Beutetier in Reichweite kommt, stößt die Scholle blitzschnell vor und schnappt zu. Muscheln werden im Ganzen verschluckt, wobei die kräftigen Schlundzähne die Schalen zerbrechen. Würmer werden aus dem Sediment gesaugt.

Die Scholle nutzt auch ihr gut entwickeltes Seitenlinienorgan, um Bewegungen und Vibrationen im Sediment wahrzunehmen. Selbst im Dunkeln oder bei trübem Wasser kann sie so vergrabene Muscheln oder Würmer aufspüren. Zusätzlich besitzt sie einen guten Geruchssinn, der ihr hilft, Nahrung zu lokalisieren.

Die Fressaktivität folgt einem jahreszeitlichen Rhythmus. Im Frühjahr und Sommer, wenn die Wassertemperaturen steigen und das Nahrungsangebot reichlich ist, frisst die Scholle intensiv. In dieser Zeit baut sie Fettreserven auf, die für den Winter wichtig sind. Im Herbst bleibt die Aktivität noch hoch. Mit Einsetzen des Winters und sinkenden Temperaturen reduziert sich die Nahrungsaufnahme deutlich. In den kältesten Monaten fressen Schollen kaum noch und leben von ihren Reserven.

Die Scholle ist vorwiegend nachtaktiv. Tagsüber liegt sie meist ruhig am Boden, während sie nachts aktiver wird und gezielt nach Nahrung sucht. In der Dämmerung und nachts schwimmt sie auch häufiger frei über dem Boden, um neue Nahrungsgründe zu erschließen.

Wie werden Schollen gefangen?

Die Scholle ist wirtschaftlich bedeutend und wird sowohl kommerziell als auch von Freizeitanglern befischt.

In der kommerziellen Fischerei dominiert die Grundschleppnetzfischerei. Dabei werden schwere Netze über den Meeresboden gezogen, die Schollen und andere Bodenfische einfangen. Diese Methode ist effektiv, hat aber erhebliche ökologische Auswirkungen, da der Meeresboden aufgewühlt wird und Beifang anderer Arten entsteht. Moderne Netze sind zunehmend mit Vorrichtungen ausgestattet, die Jungfische entkommen lassen und den Bodenkontakt minimieren sollen.

Eine weitere Methode ist die Stellnetzfischerei, bei der Netze auf dem Meeresboden ausgelegt werden, in denen sich die Fische verfangen. Diese Methode ist selektiver und schonender für den Meeresboden, aber weniger effizient. In der Ostsee wird auch mit Reusen gefischt, besonders in küstennahen Bereichen.

Die Hauptfangzeit liegt im Frühjahr und Herbst, wenn die Schollen in flacheren Gewässern stehen und aktiv fressen. Die Fischerei unterliegt strengen Quoten und Regulierungen, einschließlich Mindestmaßen und Schonzeiten, um die Bestände nachhaltig zu bewirtschaften. In der Nordsee liegt das Mindestmaß bei 27 Zentimetern, in der Ostsee bei 23 Zentimetern.

Für Freizeitangler ist die Scholle ein beliebter Zielfisch. Das Angeln erfolgt mit Grundbleimontagen, an denen Naturköder wie Wattwürmer, Seeringelwürmer oder Muschelstücke angeboten werden. Die beste Angelzeit ist von April bis Oktober, besonders in den Abend- und Nachtstunden. Beliebte Angelplätze sind sandige Küstenbereiche, Molen und flache Buchten. Der Biss einer Scholle ist meist vorsichtig und zaghaft, was Geduld und Fingerspitzengefühl erfordert.

Lächelnde Frau mit Schürze bereitet frische Scholle in heller Küche mit Zutaten wie Tomaten und Zitrone zu

Scholle in der Küche

Die Scholle ist kulinarisch hoch geschätzt. Ihr Fleisch ist weiß, fest und hat einen milden, feinen Geschmack ohne aufdringliche Fischnote. Die Textur ist zart und saftig, dabei aber nicht zu weich.

Die klassische Zubereitung ist die "Finkenwerder Scholle", benannt nach einem Hamburger Stadtteil. Dabei wird die Scholle in Butter gebraten und mit Speckwürfeln und Krabben serviert. Auch einfach in Mehl gewendet und in Butter gebraten ist sie ein Genuss. Frische Scholle eignet sich hervorragend zum Dünsten, Grillen oder Backen im Ofen.

Gesundheitlich ist Scholle wertvoll: Sie ist fettarm, reich an hochwertigem Eiweiß und enthält wichtige Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin D, B12, Jod und Selen. Der niedrige Fettgehalt macht sie zu einer leichten, bekömmlichen Wahl.

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