
Schleie angeln: Köder, Anfütterung und richtige Vorbereitung
Lebensraum und Verhalten der Schleie
Schleien bevorzugen warme, flache Gewässerbereiche mit schlammigem oder weichem Grund. Buchten mit dichtem Pflanzenwuchs – Seerosen, Schilf, Wasserpest – sind ihre bevorzugten Aufenthaltsorte. Dort wühlen sie mit ihrem unterständigen Maul im Schlamm nach Insektenlarven, Würmern, Schnecken und pflanzlicher Nahrung. Die charakteristischen Blasenketten, die beim Gründeln aufsteigen, verraten ihre Anwesenheit.
Diese Fische sind dämmerungs- und nachtaktiv, wobei die frühen Morgenstunden zwischen 4 und 9 Uhr die beste Fangzeit darstellen. Tagsüber bei starker Sonne ziehen sich Schleien in dichte Vegetation zurück und sind kaum zu fangen. An bewölkten, schwülen Tagen können sie jedoch auch mittags aktiv sein. Die beste Jahreszeit liegt zwischen Mai und September, wobei die Sommermonate besonders erfolgreich sind, wenn das Wasser warm ist.
Schleien sind extrem vorsichtig und scheu. Laute Geräusche, schwere Tritte am Ufer oder grobe Montagen verscheuchen sie sofort. Sie haben ein ausgezeichnetes Gehör und nehmen Vibrationen über die Seitenlinie wahr. Deshalb ist beim Schleienangeln absolute Ruhe am Angelplatz geboten.
In den Gewässern der Müritzfischer gilt für Schleien ein Mindestmaß von 25 Zentimetern. Es gibt keine Schonzeit, Sie können also ganzjährig angeln. Allerdings sind Schleien im Winter weitgehend inaktiv und vergraben sich im Schlamm. Das Angeln lohnt sich erst ab April, wenn die Wassertemperaturen steigen.

Die richtige Ausrüstung
Für das Schleienangeln benötigen Sie keine schwere Ausrüstung. Eine mittelschwere Grundrute mit 3,00 bis 3,60 Meter Länge und einem Wurfgewicht von 30 bis 60 Gramm ist ideal. Die Länge hilft, die Montage über Hindernisse wie Seerosenfelder hinwegzuführen. Eine mittlere bis semiparabolische Aktion ist vorteilhaft – die Rute sollte Reserven für den Drill haben, aber sensibel genug sein, um vorsichtige Bisse zu erkennen.
Alternativ funktioniert auch eine Feederrute mit 3,30 bis 3,90 Meter Länge und Wurfgewichten bis 80 Gramm. Diese bieten durch ihre weichen Spitzen noch bessere Bisserkennung. Wechselspitzen in verschiedenen Härten ermöglichen Anpassung an unterschiedliche Bedingungen.
Die Rolle sollte eine Stationärrolle der Größe 3000 bis 4000 sein, mit stabiler Bremse und Schnurfassung von mindestens 150 Metern. Schleien machen zwar keine extrem langen Fluchten, aber sie kämpfen ausdauernd und nutzen jedes Hindernis. Eine zuverlässige Bremse ist wichtig, um den Fisch aus dem Kraut zu halten.
Bei der Schnur haben Sie die Wahl. Monofile Schnur mit 0,25 bis 0,30 Millimeter Durchmesser ist unauffällig und dehnt sich, was als Puffer wirkt. Geflochtene Schnur (0,12 bis 0,15 Millimeter) bietet bessere Bisserkennung, ist aber sichtbarer. Viele Schleienangler bevorzugen monofile Schnur wegen ihrer Unauffälligkeit in den oft klaren, flachen Bereichen.
Das Vorfach aus Fluorocarbon (0,22 bis 0,28 Millimeter, 50 bis 80 Zentimeter lang) ist empfehlenswert. Es ist im Wasser nahezu unsichtbar und abriebfest – wichtig bei Kontakt mit Steinen oder Muscheln am Grund.
Haken und Montagen
Schleien haben ein verhältnismäßig kleines Maul. Verwenden Sie Haken der Größe 8 bis 12, abhängig vom Köder. Für Würmer eignen sich Größe 8 bis 10, für Mais oder Maden Größe 10 bis 12. Die Haken sollten aus feinem Draht sein, um leicht ins Maul einzudringen, aber stabil genug für den ausdauernden Drill.
Die klassische Montage ist die einfache Grundmontage. Auf die Hauptschnur fädeln Sie ein Laufblei (10 bis 20 Gramm), dahinter eine Gummiperle als Knotenschutz, dann ein Karabinerwirbel. An diesen knoten Sie das Vorfach mit dem Haken. Das Blei liegt auf dem Grund, die Schleie kann den Köder aufnehmen, ohne Widerstand zu spüren.
Eine Alternative ist die Festbleimontage, bei der das Blei fest auf der Schnur sitzt. Diese führt zu schnelleren Selbsthakeffekten, kann aber auch vorsichtige Schleien verschrecken. Für scheue Fische ist die Laufbleimontage die bessere Wahl.
Die Posenmontage funktioniert hervorragend in flachen Bereichen bis 2 Meter Tiefe. Eine Laufpose mit 3 bis 8 Gramm Tragkraft wird so eingestellt, dass der Köder knapp über dem Grund schwebt. Schleien saugen den Köder ein, die Pose zeigt den Biss durch Abtauchen oder seitliches Wegschwimmen an.
Wichtig: Alle Montagen sollten unauffällig sein. Verwenden Sie keine grellen Farben, keine großen Wirbel oder überdimensionierte Bleie. Schleien sind misstrauisch – je natürlicher die Präsentation, desto besser.
Köder: Was Schleien wirklich lieben
Der absolute Klassiker für Schleien ist der Tauwurm. Ein ganzer, gut beweglicher Wurm an einem Größe-8-Haken ist oft das Mittel der Wahl. Sie können den Wurm auch bündeln – 2 bis 3 Würmer auf einem Haken ergeben einen voluminösen, verführerischen Happen. Wichtig ist, dass der Wurm frisch und lebendig ist. Träge, halb tote Würmer werden ignoriert.
Maden funktionieren ebenfalls gut, besonders in Kombination. 3 bis 5 Maden auf einem Größe-10-Haken bilden ein attraktives Köderpaket. Rote Maden (gefärbt) können manchmal einen zusätzlichen Reiz bieten. Auch Caster (verpuppte Maden) sind einen Versuch wert – ihr knackiger Biss scheint Schleien zu gefallen.
Mais ist ein unterschätzter Schleienköder. Gekochter Mais – mehrere Körner auf dem Haken – ist günstig, haltbar und sehr fängig. Schleien lieben den süßlichen Geschmack. Kombinieren Sie Mais mit einem Wurm zu einem "Sandwich" – das vereint Geruch und visuelle Reize.
Brot in Form von Brotkrümeln oder -flocken am Haken funktioniert in flachen Bereichen. Die Präsentation direkt unter der Oberfläche oder knapp über dem Grund kann effektiv sein, besonders wenn Sie gezielt auf größere Exemplare angeln.
Pellets sind moderne Köder, die sich langsam auflösen und eine Duftspur legen. Haar-montierte Pellets (wie beim Karpfenangeln) können Schleien überzeugen, besonders wenn Sie vorher mit Pellets angefüttert haben.
Als Köderfisch kommen nur Fische aus demselben Gewässer in Frage (Regelung beachten!), aber Schleien sind keine typischen Räuber. Würmer und pflanzliche Köder sind die bessere Wahl.
Anfüttern: Der Schlüssel zum Erfolg
Schleien müssen an den Futterplatz gelockt werden. Beginnen Sie idealerweise 24 Stunden vor Ihrer Session mit dem Anfüttern. Bringen Sie etwa 1 bis 2 Kilogramm Grundfutter aus, gemischt mit Partikeln wie gehackten Würmern, Maden, Mais und Hanf. So gewöhnen sich die Schleien an den Platz und beginnen, dort regelmäßig nach Nahrung zu suchen.
Das Grundfutter sollte eine dunkle Farbe haben (braun, schwarz), um den natürlichen Schlammgrund zu imitieren. Helle Futterwolken können Schleien verschrecken. Die Konsistenz muss stimmen: Das Futter sollte beim Auftreffen auf den Grund eine kleine Wolke bilden, sich dann aber schnell setzen und nicht zu stark arbeiten. Zu aktives Futter lockt eher Weißfische als Schleien.
Mischen Sie großzügig Partikel ins Grundfutter:
- Gehackte Tauwürmer: der ultimative Lockstoff für Schleien
- Maden und Caster: erzeugen Bewegung am Futterplatz
- Mais: süßlicher Geruch, gut sichtbar
- Hanf: knackender Laut beim Fressen, hoher Attraktionswert
- Pellets: langsame Auflösung, anhaltende Duftspur
Die Menge beim Anfüttern sollte moderat sein. Schleien fressen nicht so viel wie Karpfen. 1 bis 2 Kilogramm Futter mit Partikeln reichen für einen Angelplatz. Überfüttern Sie nicht – sonst werden die Fische satt und ignorieren Ihren Hakenköder.
Während der Session füttern Sie sparsam nach – alle 30 bis 60 Minuten eine tennisballgroße Kugel Grundfutter mit Partikeln. So halten Sie die Schleien am Platz, ohne sie zu sättigen. Bei einer Feederrute erfolgt das Nachfüttern automatisch mit jedem Wurf durch den Futterkorb.

Die richtige Platzwahl
Suchen Sie nach flachen Bereichen zwischen 1 und 3 Meter Tiefe mit weichem Grund. Buchten, die sich im Sommer schnell erwärmen, sind ideal. Schilfkanten, Seerosenfelder und Krautbänke sind Top-Hotspots. Schleien halten sich oft direkt an der Grenze zwischen freiem Wasser und Vegetation auf.
Achten Sie auf aufsteigende Blasen – wenn Schleien im Schlamm wühlen, steigen charakteristische Blasenketten auf. Das ist ein sicheres Zeichen für ihre Anwesenheit. Beobachten Sie das Gewässer in den frühen Morgenstunden – oft sehen Sie Schleien an der Oberfläche rollen oder ihre Rückenflossen.
Vermeiden Sie Plätze mit hartem, steinigen Grund. Schleien bevorzugen Schlamm und weiches Sediment. Auch zu tiefe Bereiche über 4 Meter sind weniger erfolgversprechend.
Wichtig: Suchen Sie einen ruhigen Platz fernab von Badestellen, Bootsstegen oder stark frequentierten Uferbereichen. Schleien meiden Trubel.
Angeltechnik und Bisserkennung
Legen Sie Ihre Montage vorsichtig aus. Keine schweren Bleie, die laut aufschlagen. Werfen Sie sanft und präzise. Wenn Sie mit der Pose angeln, justieren Sie diese so, dass der Köder etwa 5 bis 10 Zentimeter über dem Grund schwebt – Schleien nehmen Köder lieber auf, als sie vom Grund aufzusaugen.
Bei der Grundmontage verwenden Sie elektronische Bissanzeiger mit Swingern oder Hängern. Stellen Sie die Empfindlichkeit relativ hoch ein – Schleien beißen oft vorsichtig. Die ersten Signale können nur leichte Zupfer sein. Warten Sie, bis die Schnur deutlich abläuft, bevor Sie anschlagen.
Ein typischer Schleienbiss beginnt mit vorsichtigem Zupfen – die Rutenspitze nickt leicht, der Swinger hebt sich minimal. Dann folgt oft eine Pause, in der die Schleie den Köder prüft. Erst danach setzt sie sich in Bewegung, die Schnur läuft ab, und Sie sollten einen festen Anhieb setzen. Zu frühes Anschlagen führt oft zu Fehlbissen.
Bei der Posenmontage zeigt sich der Biss durch Abtauchen oder seitliches Wegschwimmen der Pose. Auch hier gilt: Warten Sie einen Moment, bis die Pose deutlich unter Wasser gezogen wird, dann schlagen Sie an.
Der Drill
Eine Schleie von 30 bis 40 Zentimetern kämpft erstaunlich kraftvoll. Sie macht keine langen Fluchten wie ein Karpfen, sondern setzt ihre gedrungene Körperform ein und stemmt sich gegen den Zug. Oft versucht sie, ins Kraut oder unter Seerosen zu tauchen. Hier müssen Sie sofort Gegendruck geben und den Fisch vom Hindernis weglenken.
Pumpen Sie die Schleie heran: Rute heben, dabei Druck aufbauen, Rute senken und kurbeln. Halten Sie konstanten Druck, aber überfordern Sie die Schnur und das Vorfach nicht. Schleien haben ein relativ weiches Maul – zu brutaler Drill kann zu Ausschlitzern führen.
Kapitale Schleien über 50 Zentimeter können mehrere Minuten kämpfen. Bleiben Sie geduldig, lassen Sie die Bremse arbeiten. Erst wenn die Schleie auf der Seite liegt und sich kaum noch wehrt, ist sie bereit für die Landung.
Landung und Umgang
Verwenden Sie einen großen Kescher mit mindestens 60 Zentimeter Durchmesser und gummiertem Netz. Schleien haben eine dicke Schleimschicht, die sie schützt – beschädigen Sie diese nicht. Tauchen Sie den Kescher ins Wasser und führen Sie die Schleie hinein, ohne sie zu hetzen.
Legen Sie den Fisch auf eine Abhakmatte und messen Sie ihn. Das Mindestmaß liegt bei 25 Zentimetern. Behandeln Sie die Schleie mit nassen Händen, entfernen Sie den Haken vorsichtig. Schleien schlucken den Köder oft tief – eine Arterienklemme oder ein langer Hakenlöser sind hier unverzichtbar.
Wenn Sie die Schleie entnehmen möchten, töten Sie sie schnell und waidgerecht. Bewahren Sie sie kühl auf und verarbeiten Sie sie zeitnah. Das Fleisch ist fest und wohlschmeckend, besonders gebraten oder geräuchert.
Beim Release halten Sie die Schleie im Wasser und bewegen Sie sie vorsichtig, bis sie kräftig mit der Schwanzflosse schlägt. Schleien erholen sich meist schnell und schwimmen selbstständig davon.

Beste Zeiten und Bedingungen
Die frühen Morgenstunden zwischen 4 und 9 Uhr sind mit Abstand die beste Zeit. Schleien werden aktiv, sobald die Sonne aufgeht. Auch die Abenddämmerung kann erfolgreich sein, wobei die Aktivität meist bis in die Nacht anhält. Tagsüber bei starker Sonne sind Fangchancen gering.
Warme, schwüle Tage mit leichter Bewölkung sind ideal. Schleien mögen Wassertemperaturen zwischen 18 und 24 Grad Celsius. An solchen Tagen sind sie den ganzen Tag über aktiv. Nach Gewittern oder Regenschauern steigt die Aktivität oft sprunghaft – frischer Sauerstoff und eingeschwemmte Nahrung locken die Fische.
Wind kann positiv sein, solange er nicht zu stark ist. Leichter Wind bricht die Wasseroberfläche und gibt den scheuen Fischen Sicherheit. Zudem werden Insekten und Nahrung an bestimmte Ufer getrieben – Schleien folgen.
Die Saison beginnt im Mai, wenn die Wassertemperaturen auf über 15 Grad steigen. Juni bis August sind die Top-Monate. Im September und Oktober lassen sich noch Schleien fangen, danach werden sie inaktiv und überwintern im Schlamm.